Achtsamkeit

Persönlichkeitsentwicklung / 1.10.2016 / 0 Kommentare

Achtsamkeit als Moment zwischen Reiz und Reaktion.

„Achtsamkeit ist der Moment zwischen Reiz und Reaktion", so lautet das Tagesmotto eines Tischkalenders.


Achtsamkeit – ein Begriff, der momentan sehr spaltet. Die einen entdecken Achtsamkeit für sich auf verschiedenste Art und Weise, um etwas Balance und Ruhe in den stressigen Alltag zu integrieren. Andere verbinden den Begriff mit Esoterik und Selbstfindung und lehnen es daher von vornherein ab.


Doch Moment! Bezogen auf unser Tagesmotto kann Achtsamkeit viele Situationen und festgefahrene Verhaltensweisen in unserem privaten und beruflichen Alltag auflösen.
Betrachten wir einmal das ABC-Modell von Albert Ellis. Ellis war ein US-amerikanischer Psychologe und Psychotherapeut, der Mitte des letzten Jahrhunderts ein einfaches Modell für die Entstehung von Emotionen und Verhaltensweisen entwickelte. Noch heute gilt das ABC-Modell als Grundlage zahlreicher kognitiver Verhaltenstherapien. Dabei setzt sich das ABC-Modell aus folgenden Faktoren zusammen:


Activating experiences= Aktivierendes inneres oder äußeres Ereignis (Reiz)
Beliefs= Annahmen, Interpretationen und Glaubenssätze
Consequences= unser Verhalten und/ oder unsere Gefühle (Reaktion)
Eine große Rolle spielt dabei das B für beliefs. Würde ein Ereignis (A) sofort zu einem Verhalten (C) führen, so wären wir einem Reflex ausgesetzt, den wir weder kontrollieren noch ändern könnten. Bezogen auf unser Tagesmotto würde dies bedeuten, dass es diesen Moment der Achtsamkeit nicht geben kann und wir festgefahren in Verhaltensweisen stecken, die uns selber oft ordentlich auf die Nerven gehen.
Stellen wir uns einmal den Chef vor, der sofort mit den Augen rollt und genervt „Jetzt nicht" Richtung Tür schmettert, sobald eine ganz bestimmte Mitarbeiterin den Raum betreten möchte. Das Öffnen der Tür durch diese ganz bestimmte Mitarbeiterin stellt dabei das A dar und das Rollen der Augen und ein genervtes „Jetzt nicht" das C. Doch was geschieht dazwischen, wie sieht das B, in diesem Falle das des Chefs, aus? Der Chef hat in den letzten Monaten die Erfahrung gemacht, dass die Mitarbeiterin zu Beginn ihrer Tätigkeit ständig mit Verbesserungsvorschlägen und guten Ratschlägen kam, die er weder umsetzen konnte noch wollte und war genervt von ihrem Übereifer. Nun geht er fest davon aus, dass sie ihn wieder auf Missstände hinweisen möchte, bei denen er keinen Handlungsbedarf sieht. Es ist nun bereits das dritte Mal in Folge, dass er die Mitarbeiterin so behandelt, obwohl er im Grunde ihre Arbeit und ihre Erfahrungen schätzt.


Die Folge: Die Mitarbeiterin ist verunsichert, fühlt sich nicht ernst genommen und zieht in Erwägung, sich eine neue Stelle zu suchen. Auch der Chef fühlt sich nicht wohl in seiner Haut und ärgert sich über sich selbst. Ein Teufelskreis, der sich mehr und mehr verstärkt.
Und hier, beim B setzt sie an, die Achtsamkeit. Der Chef geht fest davon aus, wieder in eine für ihn unangenehme Situation gebracht zu werden und blockt ab. Würde er kurz achtsam sein und nicht reflexartig reagieren sondern sie freundlich fragen, was ihr Wunsch sei, würde er vielleicht feststellen, dass sie ihm vom positiven Ausgangs eines Projekts berichten oder ihn mit einem Kaffee erfreuen wollte. Der Teufelskreis wäre durchbrochen. Vielleicht würde er auch feststellen, dass sie tatsächlich wieder von vermeindlichen Schwachstellen im Unternehmen berichten wollte. Doch auch dann wäre durch eine freundliche Reaktion die Grundlage gegeben, ein konstruktives Gespräch über ihr Verhalten zu führen und eine gemeinsame Lösung für die Zukunft zu finden.
So oder so, Achtsamkeit kann uns helfen, über so manches Verhalten zu reflektieren: Kurz inne halten und überprüfen, ob das, was ich glaube und annehme wirklich die „Wahrheit" ist oder nur meine ganz persönliche Interpretation davon. Der Mensch ist nicht „Opfer" seiner Reflexe und kann daher Situationen selber gestalten.
Warum reagiere ich stets genervt, wenn meine Schwiegermutter anruft? Warum werde ich immer schnippisch, wenn mein Chef um eine ganz schnelle Erledigung einer Sache bittet?


Wo kann ich ansetzen? Wo kann ich meine B's überprüfen?
„Verwechsle nicht die Dinge mit Deinen Vorstellungen", so Epiket. In diesem Sinne wünschen wir viele spannende Momente bei der Entdeckung der Achtsamkeit!

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