Hanna Lisa Heusel:

Suizidalität am Arbeitsplatz erkennen

Führung / 23.3.2021 / 0 Kommentare

Suizidalität am Arbeitsplatz erkennen

 

Das Berufsleben nimmt oft genauso viel Zeit und einen ähnlichen Stellenwert wie das Privatleben ein. Versagensängste, Misserfolgserlebnisse oder Mobbing durch das Kollegium können daher gravierende negative Auswirkungen auf die Psyche der Betroffenen haben. Das psychische und körperliche Wohlbefinden eines Mitarbeitenden ist jedoch die Basis für eine funktionierende Organisation. Nur, wenn Menschen vollumfänglich gesund sind, können sie gute Arbeit leisten, ohne dabei selbst Schaden zu nehmen.

In Deutschland begehen jährlich etwa 10.000 Menschen einen Suizid; die Zahl der Suizidversuche ist etwa 15 – 20mal so hoch. Die häufigste Ursache für Suizide sind psychiatrische Erkrankungen, am häufigsten Depressionen. Etwa 15 – 20 % der Suizide stehen in Zusammenhang mit Mobbingsituationen.

Für einen angemessenen Umgang mit Suizidalität braucht es erstmal ein generelles Verständnis darüber, was psychische Erkrankungen sind und wie man sie erkennt. Dabei können entsprechende Weiterbildungen helfen. Wenn das gesamte Team für das Thema Suizidalität sensibilisiert ist, fallen Frühwarnzeichen eher auf, es kann schneller und effektiver eingegriffen werden und leichter fallen, sich einem Mitarbeitenden anzuvertrauen. Darüber hinaus braucht es den Mut, den Verdacht, es könne einem Mitarbeitenden nicht gut gehen, offen anzusprechen. In den meisten Fällen bedeutet es für die Betroffenen eine große Erleichterung, wenn sie auf ihren Leidensdruck angesprochen werden. In einem geschützten Rahmen können diese Gespräche auf einer vertrauensvollen, empathischen und nicht-wertenden Ebene gegenüber der betroffenen Person stattfinden. Im Zweifelsfall ist es immer sinnvoll, professionelle Hilfe hinzuzuziehen. Denn das Wissen um die Suizidalität eines Kollegen kann auch viel Druck ausüben. Nicht jeder ist dieser Verantwortung gewachsen.

80 % der Menschen, die einen Suizid(versuch) begehen, kündigen diesen vorher an. Von daher lohnt es sich, auf Frühwarnzeichen zu achten. Hinweis auf eine mögliche Suizidalität kann eine depressive Stimmung sein, die über Tage andauert. Das ist oftmals gar nicht so einfach zu erkennen, weil viele depressive Menschen gelernt haben, sich eine Fassade aufzubauen, um ihren Arbeitsplatz nicht zu gefährden. Auch können auffallende Veränderungen im Verhalten, beispielsweise ein gestresstes oder erschöpftes Auftreten, häufige Krankschreibungen, aber auch eine außergewöhnliche Produktivität auf einen sich nahenden Suizid hinweisen.

Vor allem präventive Maßnahmen sind essenziell. Jede Organisation hat eine Fürsorgepflicht seinen Mitarbeitenden gegenüber. Ein sicheres und möglichst stressfreies Arbeitsumfeld sowie ein solidarisches und haltgebendes Teambuilding können Risikofaktoren für einen Suizid minimieren. Wenn es Konsens ist, dass über Schwächen und Probleme offen geredet werden darf, ohne dabei verurteilt zu werden oder um den Arbeitsplatz bangen zu müssen, sinkt die Hemmschwelle für Betroffene, sich dem Kollegium anzuvertrauen und das Suizidrisiko kann vermindert und schneller erkannt werden. Es lohnt sich, dafür professionelle Hilfe, beispielsweise Coaching Angebote, anzunehmen. Auch Ruheräume für kleine Pausen und Achtsamkeitsübungen können das psychische Wohlbefinden steigern.

Corona hat für viele Menschen das Leben auf den Kopf gestellt und den berufliche Alltag stark verändert. Die Zahl psychischer Erkrankungen ist im ersten Halbjahr der Pandemie um 80 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Auch leiden Menschen, die schon vor der Pandemie eine psychische Erkrankung hatten, besonders unter deren Folgen. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch Suizidgedanken und -versuche zugenommen haben. Wenn die Mitarbeitenden im Homeoffice sind, ist es schwieriger, in Kontakt zu bleiben und eventuelle psychische Probleme mitzubekommen. Doch auch virtuell können Coachings und Supervisionen stattfinden, um den Zusammenhalt des Teams zu stärken.

Sollten Sie akute Suizidgedanken haben oder sich betroffen fühlen, wenden Sie sich bitte jederzeit an den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 oder den psychiatrischen Krisendienst in Ihrer Nähe.

Die Telefonseelsorge ist Tag und Nacht erreichbar: 0800 -111 0 111 oder 0800-111 0 222.

Achten Sie auf sich und Ihre Mitmenschen.

 

Hanna Lisa Heusel

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