Hanna Lisa Heusel:

Better than average

Gesellschaft / 23.2.2021 / 0 Kommentare

Better than average

Sind Sie der Meinung, dass Sie besser Auto fahren als ihre Mitmenschen? Meinen Sie, dass Sie überdurchschnittlich gut kochen können? Glauben Sie, dass sie ein besserer Liebhaber sind als andere, die sie kennen? Die meisten Menschen denken, selbst besser als der Durschnitt zu sein, das ist ganz normal.

Dieses Phänomen wird auch der „Better than average" – Effekt genannt; also die Überzeugung man selbst sei besser als der Durchschnitt oder die Norm. Denn wer möchte schon dem Standard entsprechen? Wir wollen alle etwas Besonderes sein. Menschen haben die Tendenz, sich selbst zu überschätzen und andere als weniger kompetent oder moralisch schlechtere Menschen wahrzunehmen. Der „Better than average" - Effekt ist einer der robustesten Phänomene bezüglich der Selbstwerterhöhung. Anders verhält es sich, wenn wir uns mit konkreten anderen Personen vergleichen statt mit einer statistischen Einheit. Dann sind wir viel bescheidener in der eigenen Selbstbewertung.

Der „Better than average" - Effekt wird unter anderem dadurch verursacht, dass wir uns selbst ständig mit anderen Menschen vergleichen und idealerweise bei diesem Vergleich besser wegkommen als die Vergleichsperson. Einerseits gibt es uns das Gefühl, die Kontrolle über unser Leben und Handeln zu haben. Andererseits können wir so unser eigenes Handeln legitimieren, weil es immer andere gibt, die schlechter sind oder moralische weniger wertvoll handeln. Der soziale Vergleich dient dazu, unser Selbstbild zu stärken und uns selbst aufzuwerten. Diese Wahrnehmung ist jedoch verzerrt, denn die allermeisten Menschen entsprechen ziemlich genau dem Durchschnitt.

Der „Better than average" - Effekt hält sich hartnäckig. Doch, solange er nicht in einer überheblichen Arroganz resultiert, sondern das Selbstbewusstsein auf eine gesunde Weise stärkt, ist nichts gegen ihn einzuwenden. Im Gegenteil, ein positives Selbstbild fördert harmonische Beziehungen zu anderen und hilft, eigene Ziele erfolgreich zu erreichen. Menschen, die positiv über sich selbst denken, neigen weniger zu schlechten Stimmungen oder gar Depressionen. Jedoch sollte der Fokus nicht nur auf den eigenen Stärken liegen. Es ist ebenso wichtig, eigene Schwächen zu erkennen und zu akzeptieren. Nur so können wir Fehler eingestehen und an ihnen wachsen.

 

 Hanna Lisa Heusel

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