Silvia Habedank:

Das Trennungsgespräch mit Augenmaß und Respekt

Führung / 29.1.2026 / 0 Kommentare

Das Trennungsgespräch

 

Im Jahr 2025 waren in Deutschland durchschnittlich rund 49.000 Manager und Führungskräfte (C-Level und Middle Management) arbeitslos gemeldet – ein Anstieg von etwa 14 % gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit mindestens zehn Jahren. Viele Fälle tauchen in den offiziellen Statistiken jedoch gar nicht auf, etwa wenn Arbeitsverhältnisse über Vorruhestand oder den Schritt in die Selbstständigkeit beendet werden.

Ein unfreiwilliger Jobverlust ist nicht nur ein beruflicher Einschnitt. Für viele Betroffene geht er mit einer hohen psychischen Belastung einher. Die Ursachen sind vielfältig: Scham, Zukunftsängste und das Gefühl der Entwertung – insbesondere dann, wenn der Trennungsprozess abrupt und ohne Wertschätzung erfolgt.

Solche Situationen können tiefe Spuren hinterlassen. In manchen Fällen verläuft eine Trennung etwa so: Nach einem unerwarteten Gespräch mit dem Vorgesetzten wird die betroffene Person in ihr Büro geführt. Dort packt sie persönliche Unterlagen zusammen, gibt Laptop und Smartphone ab und wird anschließend direkt zum Ausgang begleitet. Eine Gelegenheit, sich von Kolleg*innen und Mitarbeitenden zu verabschieden, besteht dabei häufig nicht. Daneben gibt es zahlreiche andere, ähnlich unangemessene Formen der Trennung.  Selbst eine Abfindung kann solche Erfahrungen emotional nur begrenzt abfedern.

Nicht selten dauert der berufliche Wiedereinstieg neun bis 18 Monate oder länger, insbesondere auf vergleichbarer Führungsebene. Netzwerkpflege, Sichtbarkeit und klare Positionierung werden dabei zunehmend entscheidend. Je länger die Suche dauert, desto schwieriger gestaltet sich der Neuanfang.

Kündigungen sind ein notwendiger Bestandteil der Managementpraxis. Erfolgen sie jedoch mit Respekt vor der Person und Anerkennung der erbrachten Leistung, fällt es Betroffenen leichter, damit umzugehen. Die Art und Weise, wie Trennungen umgesetzt werden, ist stets ein Spiegel der Unternehmenskultur und ein deutliches Signal an verbleibende Führungskräfte und Mitarbeitende. Unklare oder unsensible Kommunikation kann zudem Verunsicherung nach außen tragen – gegenüber Kunden, Partnern und potenziellen Talenten – und langfristig die Arbeitgebermarke schwächen.

Eine Kündigung auszusprechen, gehört für viele Führungskräfte zu den schwierigsten Aufgaben. Studien zeigen, dass sich viele darauf nicht ausreichend vorbereitet fühlen.

Für Organisationen empfiehlt sich daher:

  • Führungskräfte für wertschätzende und strukturierte Trennungsgespräche zu sensibilisieren und gezielt zu trainieren.

  • Betroffenen konkrete Unterstützung anzubieten, etwa durch Übergangs- oder Outplacement-Coachings.

  • Eine langfristige Perspektive einzunehmen: Wie wirkt die Trennungskultur auf Image und Arbeitgeberattraktivität? Und wo besteht konkreter Verbesserungsbedarf?

 

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