Hanna Lisa Heusel:

Motivation: Wenn es kein Zurück mehr gibt

Führung / 20.4.2021 / 0 Kommentare

Motivation: Wenn es kein Zurück mehr gibt

Was hat Gaius Julius Caesar mit einem psychologischen Modell über Motivation zu tun?
Der Rubikon ist ein italienischer Fluss südlich von Ravenna, der in die Adria mündet. Zu Zeiten der römischen Bürgerkriege war dies ein Grenzfluss zwischen der römischen Provinz Gallia Cisalpina und Italien. Bekannt wurde der Fluss Rubikon durch ein historisches Ereignis. Im Jahre 49 v. Chr. führten die römischen Feldherren Gaius Julius Caesar und Gnaeus Pompeius Magnus Krieg gegeneinander. Caesar stand damals vor der Entscheidung, sein politisches Amt vollständig niederzulegen, wie es ihm der römische Senat befahl, oder den Rubikon mit seinem bewaffneten Heer zu überschreiten, was einer Kriegserklärung gleichgekommen wäre. Er entschied sich für die Überquerung des Rubikons Richtung Süden. Von da an gab es kein Zurück mehr. Jegliches Hadern und Abwägen waren damit vom Tisch; es ging jetzt nur noch darum, den Krieg gegen Pompeius zu gewinnen.

Daraus wurde das Sprichwort „den Rubikon überschreiten" geboren. Es steht sinnbildlich dafür, sich verbindlich für eine Option zu entscheiden, den „Point of No Return" zu überschreiten. Der Psychologe Heinz Heckhausen entwickelte daraus in seiner Motivationstheorie das Rubikon Modell.

Das Rubikon Modell besteht aus vier Phasen. Es beginnt mit der motivationalen Phase des Abwägens. Es geht zunächst darum, ein Ziel festzulegen und sich für eine bestimmte Option zu entscheiden. In dieser Phase werden Pro und Kontra, Chancen und Risiken abgewägt und die eigene Motivation erörtert. Noch werden alle vorhandenen Informationen und Argumente in der Abwägung berücksichtigt. Die erste Phase ist beendet, wenn schließlich eine Entscheidung getroffen wurde. Damit wird metaphorisch der Rubikon überschritten. Es gibt nun kein Zurück mehr; der Blick ist nach vorne auf das verbindliche Ziel gerichtet. Das markiert den Übergang zu den volitionalen Phasen.

Nun wird die Zielerreichung geplant und vorbereitet. Der Fokus liegt nur auf den Informationen, die für eine effiziente Umsetzung des Ziels relevant sind. Dadurch wird ein erneutes Abwägen, das für das Vorankommen kontraproduktiv wäre, verhindert. Anschließend folgt die Handlungsphase, in der die zuvor geplante Handlung ausgeführt wird. Konnte das Ziel erfolgreich erreicht werden? Darüber wird abschließend in der Bewertungsphase Bilanz gezogen. In dieser Phase liegt der Fokus wieder auf der Motivation. Was hat sich gelohnt und was hätte besser gemacht werden können? Das Ergebnis kann auf zukünftige Entscheidungen angewandt werden.

Es muss nicht gleich eine Kriegserklärung wie bei Caesar sein, dennoch ist das Rubikon Modell weniger gut auf Routinehandlungen anwendbar, da dafür kein Abwägen und Planen nötig sind. Vielmehr bezieht es sich auf Handlungen, deren Erfolg und Konsequenzen nicht ganz absehbar sind und die eine gewissen Portion Mut und Motivation abverlangen. Natürlich überlappen sich die Phasen zum Teil in der Realität oder ein Ziel stellt sich als zu komplex heraus und muss revidiert werden. Dennoch lässt sich eine wichtige Erkenntnis aus dem Rubikon Modell ziehen: Es ist hilfreich, einmal getroffene Entscheidungen zu akzeptieren und die Energie und Aufmerksamkeit ganz auf die Erreichung des Ziels zu lenken. Anstatt immer wieder mit der getroffenen Entscheidung zu hadern, lohnt es sich, ihre positiven Seiten zu betonen. Am Ende kann immer noch aus Fehlern gelernt werden.

 

Hanna-Lisa Heusel

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