Silvia Habedank:

Zuversicht - die innere Kraft, alles meistern zu können

Gesellschaft / 6.1.2021 / 0 Kommentare

Zuversicht - die innere Kraft, alles meistern zu können

 

Anders als in den Jahren zuvor wurde in den Grüßen und Ansprachen zum Jahreswechsel verstärkt über Zuversicht gesprochen und geschrieben. Auch in den Medien wurde immer wieder von einem „zuversichtlichen Blick in das Jahr 2021" berichtet. Die hiesige Presse schreibt: „Unternehmen blicken trotz Corona-Krise optimistisch in die Zukunft" und „Deutsche Wirtschaft ist überraschend optimistisch".

Unweigerlich erinnerte ich mich an das Arbeitszimmer meines Vaters und an den kleinen Bilderrahmen über seinem Schreibtisch. Dort war ein Zitat von Winston Churchill zu lesen:

„Ein Pessimist sieht das Problem, das in jeder Chance steckt,
ein Optimist sieht die Chance, die in jedem Problem steckt."

Auch wenn Optimismus und Zuversicht häufig als Synonyme genutzt werden, haben sie genau genommen unterschiedliche Bedeutungen:

Optimismus, ist eine Grundhaltung, die stets vom Besten ausgeht und positiv auf zukünftige Ereignisse blickt. So werden sich die Dinge schon zum Guten wenden, wenn man nur fest genug an sie glaubt. Mit manch rosaroter Brille auf der Nase heißt es dann „Das wird schon wieder." Wohl dem, der mit der Enttäuschung zurechtkommt, wenn das Gute nicht eintritt, auf das fortwährend gesetzt wurde.

Zuversicht ist eine innere Kraft, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, die uns bestärken, einen neuen Weg einzuschlagen oder weiterzugehen und an dem, was wir machen, dranzubleiben. Der Zuversichtliche ist sachlich, schätzt Situationen realistisch ein und erkennt mögliche Schwierigkeiten. Er sucht sich seine Spielräume - auch in nahezu aussichtlosen Konstellationen. Sinngebung und die Überzeugung, das Richtige zu tun sind dabei die Treiber der Zuversicht.

Obwohl Deutschland zu den sichersten und wohlhabendsten Ländern der Welt gehört, war die Stimmung in unserem Land in den vergangenen Jahren nicht sehr zuversichtlich. Psychologen erklären diesen Zustand damit, dass in guten Zeiten statt der Freude oft Verlustängste dominieren. Es kann kaum besser, jedoch deutlich schlechter werden. Auch wird der konstante Wohlstand als emotionaler Stillstand empfunden.

Die Zuversicht war in der Nachkriegszeit in Deutschland am größten. Trotz der prekären Lage spürten die Menschen, dass es aufwärts ging. Die wahrgenommene positive Veränderung war groß. Mit der Zuversicht entstanden Durchhaltevermögen, Energie und Tatendrang. So bedingte das eine das andere.

Das Gute: Auch ohne Krisen tragen wir Zuversicht in uns; der eine mehr, der andere weniger. Erworben wird sie – Sie werden es beim Lesen bereits vermuten – in den ersten Lebensjahren. Die Illusion von Sicherheit und Sorglosigkeit, die Eltern um ihre Kinder errichten, bilden die Basis für eine zuversichtliche Grundhaltung. Mit dem Grundvertrauen, das Leben gut meistern zu können, gehen wir in eine Prüfung, stehen vor dem Traualtar, entscheiden uns, Kinder großzuziehen und nehmen neue Jobs an.

2021 wird für viele ein Jahr des Aufbruchs, des Durchstartens und des Neustartens – sicherlich mit einer Portion Optimismus, aber mit noch viel mehr Zuversicht.

 

Silvia Habedank

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