Fragetechniken - Drei Fragen an Silvia Habedank
personalmagazin - MANAGEMENT, RECHT UND ORGANISATION, Ausgabe 11/2009
Silvia Habedank trainiert Personalleiter und Führungskräfte in der Kunst der Fragetechnik und vermittelt ihnen, wie die richtig formulierte Frage zum richtigen Zeitpunkt zielführende Antworten bringt.
Frage eins: Können Sie einige Beispiele für Fragestellungen nennen, die zu den gewünschten Antworten führen?
Antwort: Es gibt etwa 70 verschiedene Fragetypen, von den offenen Fragen bis zu Alternativfragen und Skalierungsfragen. Je nachdem, in welcher Situation ein Personalmanager ist, kann der eine oder andere Fragetyp zielführend sein. In meinen Workshops konzentriere ich mich auf klassische Gesprächssituationen und bringe zunächst viele Beispiele aus der Praxis. Anschließend üben die Teilnehmer, wie sie mit verschiedenen Fragen unterschiedliche Zeile erreichen.
Frage zwei: Was sind die häufigsten Fehler, die Personaler beim Fragestellen begehen?
Antwort: Sie fragen grundsätzlich viel zu wenig. Fragenstellen ist das wichtigste Mittel in der Kommunikation, es kommt aber viel zu kurz. Und dann werden oft die falschen Fragen gestellt, etwa vergangenheitsbezogene Fragen wie "Warum haben Sie mir das nicht eher gesagt?". Damit kann ein Mitarbeiter nichts anfangen. Besser wäre: "Was können wir in Zukunft anders machen?" Klassische Fehler sind Verhörfragen, Mehrfachfragen, die dem Gesprächspartner gar nicht die Gelegenheit geben, alles zu beantworten, und Suggestivfragen mit einer negativen Aussage.
Frage drei: Warum können so wenige richtig fragen?
Antwort: Wir hören oft in Gesprächen mit der Personal- oder Geschäftsleitung, dass ihre Führungskräfte bereits in einem Seminar gelernt haben, welche Fragetypen es gibt und welche sie einsetzen sollten. Aber sie erwerben dabei keine Fragekompetenz und sie reflektieren ihr Gesprächsverhalten kaum. Wenn sie sich dann auf Video sehen, erkennen sie, dass sie in einer Stunde vielleicht vier Fragen stellen. Wir coachen deshalb auch direkt in der Praxis, etwa im Mitarbeitergespräch. Je bewusster sich jemand mit dem Thema auseinandergesetzt hat, desto sicherer kann er im Gespräch reagieren.